Mehrsprachigkeit in der Schweiz

Zahlreiche externe Akteure verfolgen dieselben Ziele zur Förderung der Mehrsprachigkeit wie die Bundesverwaltung. Damit eine Massnahme wirksam und zielführend ist, müssen alle an der Förderung der Mehrsprachigkeit beteiligten Akteure geeignete und aufeinander abgestimmte Massnahmen treffen. Es ist daher wichtig, einen globalen, systemischen Ansatz zu verfolgen.

Folgende Themen sind eng mit der Förderung der Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung und der entsprechenden Aussenwirkung verbunden:

  • Sprachen in der Schweiz
  • Sprachunterricht an den Schulen
  • Arbeitsmarkt
  • Integrationsplattform
  • Italianità in der Schweiz

Sprachen in der Schweiz

Kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit gehören zu den historischen Wurzeln der Schweiz. Die Schweizer Eidgenossenschaft besteht aus 26 Kantonen, die sich aus ihrem gemeinsamen Willen heraus zusammengeschlossen haben und so eine «Willensnation» bilden. Drei Kantone sind zweisprachig; ein Kanton ist dreisprachig.

Grafische Darstellung der Schweiz mit den vier Sprachregionen.
© Bundesamt für Statistik (BFS)

Das Bundesamt für Statistik (BFS) liefert genaue Daten zu den Hauptsprachen der Schweizer Bevölkerung sowie den üblicherweise zu Hause und am Arbeitsplatz gesprochenen Sprachen.

Die Schweizer Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.

Balkendiagramm - Als Hauptsprachen genannte Sprachen: Deutsch 63,0 %, Französisch 22,7 %, Italienisch 8,1 % und Rätoromanisch 0,5 %
Balkendiagramm - Üblicherweise zu Hause gesprochene Sprachen: Schweizerdeutsch 60,0% , Französisch 23,0%, Hochdeutsch 10,0% , Italienisch 8,0%, Englisch 5,0%

Die Veröffentlichung Sprachenlandschaft in der Schweiz stützt sich auf die Daten der Volkszählung von 2000. Sie gibt einen Überblick über die vier Schweizer Landessprachen und weitere in der Schweiz verwendete Sprachen.

Sprachunterricht an den Schulen

Die Frage, welche Landessprachen in der Schule unterrichtet werden sollen, hat erneut an Aktualität gewonnen, nachdem einzelne Kantone umstrittene Entscheide zum Fremdsprachenunterricht in der Primarschule getroffen haben.

Artikel 62 Absatz 4 der Bundesverfassung verpflichtet die Kantone, das Schulwesen gemeinsam auf dem Koordinationsweg zu harmonisieren. Mit der 2004 durch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) beschlossenen Sprachenstrategie haben die Kantone für den Sprachunterricht eine nationale Lösung verabschiedet, die daraufhin vom HarmoS-Konkordat übernommen wurde. Mit diesem Konkordat haben die Kantone ihre verfassungsmässige Koordinationspflicht erfüllt (Art. 62 Abs. 4 Bundesverfassung). Der Bund verfügt in Bezug auf diese Koordination nur über begrenzte und subsidiäre Kompetenzen.

Harmonisierung des Sprachenunterrichts : Bericht zuhanden der WBK-S

Srachenunterricht in der obligatorischen Schule: Strategie der EDK und Arbeitspläne für die gesamtschweizerische Koordination

Tracce – Italienischlehrmittel für Sekundarschulen in der Deutschschweiz

Arbeitsmarkt

Die im beruflichen Umfeld am häufigsten gesprochene Sprache in der Schweiz ist Schweizerdeutsch (66,0 %), gefolgt von Deutsch (34,0 %), Französisch (29,0 %), Englisch (19,0 %) und Italienisch (9,0 %). 0,35 % der erwerbstätigen Bevölkerung sprechen am Arbeitsplatz die vierte Schweizer Landessprache, Rätoromanisch.

Balkendiagramm - bei der Arbeit gesprochene Sprachen: Schweizerdeutsch 66,0% , Hochdeutsch 34,0% , Französisch 29,0%, Englisch 19,0%, Italienisch 9,0%

Integrationsplattform

Die Tripartite Agglomerationskonferenz (TAK) ist eine politische Plattform von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden. Ihr Ziel ist es, eine Agglomerationspolitik umzusetzen. Ein Aspekt dieser Politik ist die Integration und dabei insbesondere die Frage, welche Sprache bei der Arbeit verwendet wird.

Dialog Integration

Medienmitteilung : Staat und Wirtschaft wollen das Potenzial der Migrationsbevölkerung nutzen und fördern; Positive Zwischenbilanz im TAK-Integrationsdialog «Arbeiten – Chancen geben, Chancen nutzen» Pressemitteilung

«Ein Sprachenpass für Ausländer» – Der Bund, 02.06.2016

Italianità in der Schweiz

Italienisch wird nicht nur in den Landesgegenden mit einer italienischen Sprachgemeinschaft, sondern auch in den anderen Regionen gesprochen, denn es nimmt als Landes- und Migrationssprache eine Doppelrolle ein. Derzeit wird zum Thema der Italianità in der Schweiz geforscht.

Bei der Methode 321 via wird mit Hilfe von RSI-Clips im Rahmen des Italienischunterrichts in der Schweiz die sprachliche Realität der italienischsprachigen Schweiz abgebildet.

321 via

Italianità im Netz: Vom Kartonkoffer zum Web. Eine Sozialgeschichte der italienischen Sprache in der Deutsch- und Westschweiz

Italiano per caso: Storie di italofonia nella Svizzera non italiana

Studie: «Multikulturelle Schweiz»

Die eidgenössische Jugendbefragung lieferte die Daten für die 2015 veröffentlichte Studie zu den Sprachkompetenzen Schweizer Jugendlicher und deren Einstellung zur Sprachenvielfalt.

Das Sprachenrepertoire der jungen Menschen ist sehr vielfältig; insgesamt wurden 126 verschiedene Sprachen erfasst. Untersucht wurde hauptsächlich das Kompetenzniveau (ohne Muttersprache) in den Landessprachen und in Englisch. Die Einordnung erfolgte vom tiefsten (A1) bis zum höchsten (C2) Niveau, mit einer zusätzlichen Stufe «Null», wenn gar keine Kenntnisse der betreffenden Sprache vorhanden waren. Bei Jugendlichen mit Kenntnissen in den untersuchten Sprachen wurde deutlich, dass die Sprachkompetenz in Deutsch, Französisch und Italienisch meist bescheiden ist und sich auf dem Niveau A2 bewegt, während sie in Englisch und vor allem Rätoromanisch auf einem höheren Niveau liegt.

Multikulturelle Schweiz

Schweiz – Suisse – Svizzera: multikulturelle Gesellschaft – Medienmitteilung, 28.09.2015

Nationales Forschungsprogramm NFP 56

Ziel der Schweizer Sprachenpolitik ist es, die Verständigung zwischen den Sprachgruppen sowie die sprachbezogene Identitätsbildung und die erst- und mehrsprachigen Kompetenzen zu fördern. Das Nationale Forschungsprogramm NFP 56 hat die wissenschaftlichen Grundlagen für diese Politik gelegt.

Das Programm ist in fünf Forschungsschwerpunkte gegliedert:

  • Herausforderungen an den schulischen Sprachunterricht;
  • Sprachkompetenz von Erwachsenen;
  • Rechtliche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen sprachpolitischen Handelns;
  • Sprachgebrauch in der Wirtschaft;
  • Zusammenspiel zwischen Sprache und Identität.

Letzte Änderung 06.09.2017

Zum Seitenanfang

https://www.plurilingua.admin.ch/content/plurilingua/de/home/themen/mehrsprachigkeit-der-schweiz.html